An: Herrn Bürgermeister Grasl und die Mitglieder des Gemeinderats am 19.08.2016

Betreff: Ambach / Neubau Seniorenwohnheim KWA

Sehr geehrter Herr Grasl, verehrte Mitglieder des Gemeinderats Münsing,

hiermit möchten wir Ihnen als Beauftragte der Initiative-Ambach eine Unterschriftenliste betreffend das geplante Projekt „Neubau Seniorenwohnheim / Ambach“ durch die KWA übergeben. 

Initiative-Ambach ist ein Zusammenschlussvon Ambachern und Gemeindebürgern, die sich anlässlich dieses Grossprojekts um die weitere Entwicklung des Ortes sorgen. Obwohl es zu begrüssen ist, dass das Klinik-Areal wieder einer Nutzung zugeführt wird, müssen an diesem sensiblen Ort dennoch wichtige Aspekte, wie Maßstäblichkeit, Verträglichkeit, Gestaltung sowie Baum- und Landschaftsschutz beachtet werden. 

Diesem Ansuchen haben sich bis heute insgesamt 360 Personen mit Ihrer Unterschrift angeschlossen, davon über 250 Bürger aus Ambach und allen Teilen der Gemeinde, die diese Sorgen teilen und hiermit folgende Punkte als Anliegen und Bitte an die gemeindlichen Gremien tragen:

  1. eine Bebauung, die nicht über den Bestand hinausgeht - für überbaute Fläche und Bruttogeschossfläche
  2. eine Größenordnung, die neben einem wirtschaftlichen Betrieb auch die dörfliche Sozialstruktur im Blick hat
  3. kleinteilige bauliche Strukturen, die sich rücksichtsvoll in die Landschaft und Umgebung eingliedern
  4. eine Architektur, die in der örtlichen Bautradition steht und den Vorgaben des Rahmenplans entspricht
  5. Erhalt des gesamten Baumbestands und Schutz der Landschaft um den Charakter des Ortes zu wahren
  6. frühzeitige Beteiligung der Bürger bei Entwicklung dieses Projektes, das Ambach auf Jahrzehnte prägen wird

Durch den vielfältigen Widerstand gegen das zunächst bekannte Konzept der KWA und durch die eindeutige Positionierung von Bürgermeister und Gemeinde zu diesen Punkten konnte (hoffentlich) ein Umdenken bei den Bauwerbern erreicht werden: Wie aus der Presseinformation der KWA zu erfahren ist, distanziert sich die KWA von Ihrem ursprünglichen Planungswunsch und arbeitet scheinbar an einer verträglicheren Lösung. 

Inwieweit die neue und überarbeitete Planung diesen Maßgaben dann auch entspricht, bleibt abzuwarten.

Einige der aktuell von der KWA getätigten Aussagen sind jedoch aufmerksam zu begleiten:

  1. Es wird von einer Verkleinerung des Konzepts von 90 auf 80-85 Wohneinheiten gesprochen. Durch den Wegfall des Grundstücks 1448/5 ( d.h. minus 17% Gesamtfläche), dürften bei gleicher Dichte gegenüber dem alten Konzept maximal 75 Wohnungen entstehen. Also würde der Umfang nicht, wie dargestellt, reduziert, sondern die Dichte noch einmal erhöht!
  2. Die KWA argumentiert, der Bestand habe eine überbaute Fläche von 5.700qm. Dies ist nicht richtig: Die Fläche wurde im Rahmen des Vorbescheids 2012 ermittelt und hat nachweislich nur 4.091qm. Eine Bebauung mit 5.000qm würde keine Reduzierung, wie behauptet, sondern eine Erhöhung um über 22% bedeuten.
  3. An dieser Stelle sei festgehalten, das sich auf dem Grundstück der KWA eine Bestandsbebauung von lediglich 10.985qm BGF befindet (siehe Ermittlung Vorbescheid). Der Bebauungsplan sollte sich auf diese Grössenordnung als Obergrenze für eine Neubebauung beziehen. Auch hier wurde in der Vergangenheit unrichtigerweise mit wesentlich höheren Zahlen argumentiert.  

Einige von der KWA getätigten Darstellungen sollen dazu dienen, Bürger und Entscheider für dieses Projekt zu gewinnen um ein mögliches Baurecht zu maximieren und somit die wirtschaftliche Rentabilität zu erhöhen. 

Einige dieser Darstellungen und Versprechungen sind allerdings zu hinterfragen: 

  1. Kommen wirklich Handwerker und Betriebe aus der Gemeinde für einen solch großen Neubau zum Zuge? Neben dem Kostendruck sind es auch die Dimensionen, die den Rahmen der ansässigen Betriebe sprengen würde: 5000qm Dachabdichtung oder etwa 600 Innentüren kann wohl kein örtlicher Handwerker liefern?
  2. Was soll der Hinweis auf 2,3 Mio € Umsatz mit örtlichen Handwerkern anlässlich der Erweiterung und Sanierung des Rupertihofs? In Ambach soll ein Neubau entstehen, der wohl in absehbarer Zeit weder saniert, noch erweitert wird und keine diesbezüglichen Aufträge zu erwarten sind.
  3. Wie groß ist die versprochene Belebung der örtlichen Wirtschaft durch dieses Projekt wirklich? Laut KWA wurden im Jahre 2015 bei dem Vergleichsprojekt Rupertihof in Rottach-Egern insgesamt 200.000€ mit örtlichen Zulieferern umgesetzt. Diese Zahl ist bei näherer Betrachtung sehr relativ: bei 125 Bewohnern und über das ganze Jahr gesehen bedeutet dies, dass gerade einmal 30€ pro Bewohner und Woche innerhalb der Gemeinde ausgegeben werden - die Kosten für die Versorgung durch die Stadtwerke inbegriffen.

Wer profitiert von diesem Projekt? Muss man den Wünschen des Investors in vollem Umfang gerecht werden?

Ambach ist mit seinen gut 300 Einwohnern ein sehr kleines Dorf - ein solches Projekt muss auch dem Maßstab und den Strukturen des Ortes entsprechen, wenn dieser nicht dem Projekt geopfert werden soll.

Wie mehrfach festgestellt wurde, hat die Gemeinde die alleinige Planungshoheit auf dem Gelände. Neben den Wünschen des Bauwerbers sind auch die Sorgen und Ängste der betroffenen Bürger ernst zu nehmen! Wie umfassend diese Sorgen und der Wunsch nach einer maßvollen und rücksichtsvollen Bebauung in der Bevölkerung sind, zeigt die grosse Beteiligung an vorliegender Unterschriftenliste.  

Wesentlich für eine gute und auf breiter Ebene akzeptierte Lösung wäre eine frühzeitige Einbindung der Bürger. Ein Projekt, das den Ort so tiefgreifend verändern wird, muss mit den betroffenen Bürgern diskutiert werden! 

Bei einem vorhabensbezogenen Bebauungsplan werden erste Plangrundlagen vom Bauwerber erstellt, die später Grundlage eines möglichen Bebauungsplans werden. Eine Bürgerbeteiligung sollte bereits früh erfolgen. Nach Aufstellung eines Bebauungsplans ist es für diese Diskussion zu spät, da wesentliche Festlegungen dann bereits gemacht sind und Einwände nicht mehr oder nur noch auf juristischer Ebene behandelt werden können.  

Die Gemeinde Münsing hat die Chance und die große Verantwortung dieses Gelände mit einer rücksichtsvollen und maßvollen Planung nachhaltig zu gestalten und so eine positive Entwicklung Ambachs auch in Zukunft zu gewährleisten.  

Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen!

InitiativeAMBACH

 

Was soll aus Ambach werden?

Auf dem Gelände des ehemaligen Kursanatoriums Ambach ist ein überregionales Seniorenwohnheim geplant. Der Investor KWA (Gesellschaft "Kuratorium Wohnen im Alter") sieht den Totalabbruch der alten Gebäude und die weitgehende Fällung des alten Baumbestands vor, um Platz für ein Großprojekt zu schaffen.

Geplant ist eine Anlage von ca. 14.500qm Geschossfläche (das entspricht ca. 50 Einfamilienhäusern) und mit 90 Wohnungen bis 120qm Wohnfläche, zusätzlich Allgemeinräume, wie Restaurant, Schwimmbad, Verwaltung usw... Der neue Gebäudekomplex würde die, zuvor schon hohe Bebauungsdichte, noch einmal wesentlich erhöhen und nach dem Kahlschlag unverhüllt über Ambach thronen.

Das geplante riesige Bauvolumen und die, für die Region unpassende Architektur würden das kleinteilige, gewachsene Ortsbild Ambachs beherrschen und für Generationen zerstören.

So sehr es zu begrüssen ist, dass das brachliegende Areal wieder einer Nutzung zugeführt wird, müssen an diesem sensiblen Ort dennoch wichtige Aspekte, wie Maßstäblichkeit, Verträglichkeit, Gestaltung sowie Baum- und Landschaftsschutz beachtet werden. Eine kleinere, feinfühligere Lösung unter Erhalt des Baumbestands könnte sich in den Ort einfügen, ohne ihn zu dominieren.

Ziel dieses Aufrufs ist es Bürger und Verwaltung zu sensibilisieren, damit dieses Projekt in einem transparenten Prozess, anhand von Vorgaben durch die Gemeinde, sowie unter frühzeitiger Beteiligung der Bürgerschaft sensibel und rücksichtsvoll entwickelt wird. Maßgeblich dürfen nicht nur die wirtschaftlichen Interessen des Investors sein!

Auf den nächsten Seiten werden die einzelnen Aspekte untersucht. Folgende Ausführungen und Darstellungen sind auf Basis der wenigen zugänglichen Unterlagen erstellt und lassen den ursprünglichen Planungswunsch des Investors erkennen - eine alternative Planung ist durch den Investor in Aussicht gestellt. Basis hierfür sollte ein Dialog mit den Bürgern sein, wie eine verträgliche und nachhaltige Entwicklung Ambachs gewährleistet werden kann.  

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