Sehr geehrter Herr Bürgermeister Grasl, 

sehr geehrte Damen und Herren des Gemeinderats,

liebe Ambacher und interessierte Bürger der Gemeinde,

 

zunächst vielen Dank für die Aufforderung an die Bürger und interessierten Anwohner sich zu den beiden Favoritenentwürfen für das Projekt KWA / Ambach zu äussern. 

Es stehen nun zwei  Entwürfe zur Auswahl, die in Ihrem Ansatz, Funktion und in Ihren Auswirkungen sehr unterschiedlich sind. Neben den Interessen des Investors nach bestmöglicher Verwirklichung seiner Ziele, sind es von Bürgerseite insbesondere die Fragen nach der Verträglichkeit für den Ort, und Rücksicht auf Landschaft und Natur, die wichtig sind. Diese Gesichtspunkte sollten für die Gemeinde vordringlich Grundlage der Entscheidung sein, da es nicht ausschliesslich um die Interessen des Investors geht, sondern um eine langfristige und umfangreiche Entscheidung für den gesamten Ort. 

Zu dem Konzept von Büro Matteo Thun:

Zunächst fällt auf, dass einige Strukturen der ursprünglichen Planung von 2016 in diesem Entwurf aufgegriffen werden - funktional mag der Entwurf also nahe an den Vorstellungen des Betreibers liegen. Aussagen zu Bauzeit und inwiefern eine solches Projekt mit „Null Kilometern und Null Emmission" umzusetzen ist, sollte genau betrachtet werden. Ob ein „Bauernhof" das richtige Motiv für einen Gebäudekomplex dieser Grössenordnung ist, kann man unterschiedlicher Auffassung sein. Die Hanghäuser erscheinen auf dem Lageplan als Landschaftsbestandteil - trotz der Ausstattung mit einem Gründach sollte aber bewusst bleiben, dass es sich um eine mehrgeschossige Bebauung handelt. Welche Qualität eine solche Hangbebauung hat - nur einseitig belichtet und durch lange unterirdische Gänge erschlossen - sollte nicht zuletzt der Betreiber hinterfragen. 

Wie aber setzt der Entwurf die Massgaben des Wettbewerbs und Anliegen in Bezug auf die sensible Lage um? Neben den Haupthäusern, die dieser Dimension blockhaft wirken, gibt es eine doppelte Bebauungszeile als „Hangarchitektur“, deren Integration in den Hang nicht gelingt. Hier wird eine unnatürliche Hilfskonstruktion erforderlich: Anschüttungen entgegen der Topografie mit einem bis zu 4m hohen Gegenhang. Die Ausdehnung der Anlage geht weit nach Süd-Westen in Richtung des geschützten Baumbestands. Hier ist im Plan zwar ein weitgehender Erhalt vorgesehen - in Anbetracht der Baumassnahme und der Nähe zu diesem Biotop müsste aber die Motivation sehr gross sein, diese Bäume auch wirklich zu erhalten. In einem Bebauungsplan müssten diese Bäume jedenfalls effektiv geschützt werden! 

Feststellen lässt sich, dass dieser Entwurf es nicht schafft das Raumprogramm von 80 Wohnungen auf dem Grundstück verträglich und schonend umzusetzen - in erster Linie bedingt durch die Grössenordnung der Gesamtanlage. Unter Verzicht auf lediglich 12 Wohnungen könnte die unterste Hangbebauung entfallen, die mittlere könnte etwas nach unten rücken. Dadurch würde die Gesamthöhe reduziert und  die Hangbebauung in den Hang integriert werden. Ein offener Park würde statt eines Gegenhangs entstehen und die versiegelte Fläche wäre reduziert. Ein ausreichender Abstand zu der Baumgruppe sichert deren Bestand. Nicht zuletzt würde auch das Waldschlössl schöner zur Geltung kommen. Eine solche - relativ geringe und sicherlich verkraftbare - Reduzierung hätte in dem vorliegenden Entwurf sehr grosse Auswirkungen auf die Qualität, Verträglichkeit und den Landschaftsschutz des Projekts.

 

Zu dem Konzept von Beer, Bembe, Dellinger Architekten:

Der Entwurf setzt die Vorgabe einer kleinteiligen Bebauung, soweit dies möglich ist um und arrangiert Einzelhäuser von 16-20m Kantenlänge zu einem Quartier um einen zentralen Innenhof. Die lockere Anordnung vermeidet eine Riegelbildung und öffnet sich nach Süden. Die pavillionartigen Gebäude ist weniger an die althergebrachte Gestaltung angelehnt, bietet dafür ein eigenständiges, freundliches Bild. Die einzelnen Häuser sind in einer Gruppe angeordnet, was einerseits etwas weniger Privatheit bedingt, andererseits wohl das Miteinander und soziale Kontakte fördert. Die Wohnungen in den Einzelhäusern orientieren sich jeweils nach zwei Seiten und werden so gut belichtet. Neben einer unterirdischen Erschliessung, die zu optimieren wäre, gibt es für jedes Haus einen direkten oberirdischen Eingang, von dem aus die Wohnungen schnell und natürlich belichtet zu erreichen sind. Die Anlage von Einzelhäusern ist gut zu erfassen und ermöglicht eine leichte Orientierung. 

Auch hier stellt sich die Frage nach den Auswirkungen dieses Entwurfs: Die Einzelgebäude stehen auf einer vermittelnden Ebene, die im Süd-Westen ein weiteres Geschoss erzeugt. In diesen Bereichen sind einige Wohnungen weniger gut und nur einseitig belichtet, sowie teilweise kompliziert erschlossen. Die Ebene darüber wird über eine Rampe in das Gelände geführt, wobei hier und bei dem südwestlichen Souterrain-Wohnungen eine kritische Nähe zu dem Baumbestand festzustellen ist. Ansonsten geht die Anordnung der Gebäude rücksichtsvoll auf den Baumbestand ein und hält ausreichenden Abstand. Allgemein kann man von der weitgehenden Beibehaltung des landschaftlichen Eindrucks ausgehen, wobei die Kleinteiligkeit der Anlage dieses Ziel unterstützt.

Im Ergebnis lässt sich sagen, dass dieser kleinteiligere Entwurf sensibler mit der Situation und dem Baumbestand umgeht. Funktionale Aspekte wären, nach den Wünschen des Betreibers zu optimieren, wofür in dieser Phase des Projekts sicherlich eine Möglichkeit besteht. Problematisch ist aus landschaftlicher und funktionaler Sicht die Souterrainebene in dem die am wenigsten qualitativen Räume entstehen. Eine Reduzierung der Wohnungsanzahl um ca. 10 Wohnungen könnte diese Ebene komplett entfallen lassen und die Höhenentwicklung, die landschaftliche Situation und den Baumschutz verbessern. Zusätzliches Potential diese Situation zu entspannen hätte eine Neuanordnung mit ggf. Zusammenlegung einzelner Baukörper, so dass das Gesamtprojekt bei weiterer Reduzierung eventuell mit einem Gebäude weniger auskommen könnte.

Fazit: 

Im Ergebnis lässt sich sagen, dass beide Entwürfe Schwierigkeiten haben die geforderte Baumasse von 80 Wohnungen auf dem Grundstück unterzubringen. Konkret sind es jeweils die letzten 10-12 Wohnungen, durch die ungünstige Situationen geschaffen werden, eine topografische Eingliederung des Gebäudeskomplexes wesentlich erschweren und den Baumbestand gefährden. Mittlerweile gibt es sechs Entwürfe für dieses Projekt, alle in der gleichen Grössenordnung und alle führen zu der Erkenntnis, dass eine solche Baumasse hier nicht verträglich zu planen ist. Der eindringlichen Bitte von vielen Bürgern nach einer Reduzierung des Baumasse - wie sie seit nunmehr seit über zwei Jahren gefordert ist - hat leider bis heute keinerlei Eingang in die Überlegungen gefunden. Dabei zeigt, dass schon eine relativ überschaubare Reduzierung von nur 15% wesentliche Entspannung schaffen und ein qualitatives, ökologisches und geschätztes Projekt ermöglichen kann. Eine (ohnehin notwendige) Überarbeitung mit einer reduzierten Wohnungsanzahl könnte bei beiden Entwürfen wesentliche Verbesserungen für die Situation, die Qualität der Anlage und den Landschaftsschutz bringen und auch die formulierten Zielsetzungen der Gemeinde ermöglichen. 

Hiermit wird an den Gemeinderat und den Investor appelliert diese Erkenntnisse und Bitten der Bürger anzuerkennen und in der Konsequenz eine Vorgabe zu machen, weitere Planungen in reduzierter Form zu verfolgen.

P.S.: Die Gutachten der Fachberater sind unter http://www.wohnstift-ambach.de/aktuelles/meldung/datum/2018/06/28/test-5/ nachzulesen - hier sind insbesondere die Stellungnahmen von Herrn Hainz (Kreisbaumeister), Herrn Weigl (Stadtplaner) und Herrn Ufer (Landschaftsplaner) sehr interessant zu lesen. Die Ausstellung im Sitzungssaal ist bis 11.Juli einsehbar - schriftliche Stellungnahmen werden bis 13.Juli erwartet. Wie diese Stellungnahmen dann Bürgern und Entscheidern zugänglich gemacht werden, bleibt abzuwarten.

P.P.S.: Anbei eine Plananalyse des Baumbestands auf Basis des Entwurfs von Herrn Matteo Thun: Bäume, die bereits gefällt wurden, wohl nicht mehr vorgesehen sind, wie die Thuje oder durch sehr geringen Abstand, wie z.B. die beiden grossen Buchen im Südwesten gefährdet oder nach seiner Liste zu fällen sind wurden entsprechend farbig gekennzeichnet.

 

Vielen Dank und herzlichen Gruß!
Sebastian Wiedemann

InitiativeAMBACH

www.initiative-ambach.de
info@initiative-ambach.de

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